Der Umzug

 

Im September 2010 war es soweit. Meine 80 jährige Angehörige entschied sich in eine betreute Wohnanlage zu ziehen.

Der Umzug in eine kleinere Wohnung , hieß für diese alte Dame, ihre Habseligkeiten zu überdenken.

Ihr Wohnzimmerschrank, 1.80m x 3.00m, war voll gestopft mit Plunder. Erst jetzt war sie wirklich bereit sich von dem Schrank zu trennen, der ihr seit Jahren keine Freude mehr bereitete.                                                 Ich holte mir ihr Einverständnis, mit meiner Haushaltshilfe den Schrank zu räumen und durch einen Betrieb entsorgen zu lassen. Es dauerte 1.5 Std., den Schrank zu entrümpeln. Meine Angehörige war anwesend und wurde zu den wichtigsten Teilen ihrer Habseligkeiten befragt. Die nicht mehr verwertbaren Dinge und die zu recycelten Gegenstände (Gläser, Bücher, Altpapier) brachten wir umgehend zum Recyclinghof.                         Die Emotionen standen im Raum und dennoch war meine alte Dame erleichtert.

Ein paar Tage später verschenkte und entsorgte sie noch einmal 50% der aussortierten Dinge aus dem Schrank.                                                                                                                                                                  Nach dieser Aktion war sie bereit sich von ihrem alten Haushalt zu trennen. Mit Hilfe ihrer Freundinnen ging es nun an die Stapel Bettwäsche, den Kleiderschrank, die Schuhe, den Putzmittelschrank, die Küche, das Badezimmer und den Rest des Haushaltes.                                                                                                   Jeden Tag berichtete sie von ihren Erfolgen, schien sichtlich ermattet und dennoch glücklich und stolz.

Jahrzehntelang war diese Frau in ihrem Kramhaushalt gefangen, konnte sich von nichts trennen. Wurde immer unzufriedener und negativer in ihrer Denkweise. Die psychischen Auswirkungen, natürlich auch durch den Alterungsprozess ausgelöst, waren schon lange offensichtlich.

Jetzt lebt sie zufrieden in ihrem verkleinerten, übersichtlichen Wohnung, die sie "meine Puppenstube" nennt.                                                                                                                                                               Und -  es ist eine Freude sie zu besuchen. Sie wirkt beschwingt, zieht sich wunderschön an und die Konversation ist positiv.

Auch jetzt, ein halbes Jahr später, ist sie glücklich in ihrem neuen Zuhause. Hat nette Kontakte geknüpft und nimmt Beschäftigungsangebote wahr.


 


 

 

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